Ich habe so gut es geht versucht, meine Betreuerin zu ignorieren und mich nicht zu sehr aufzuregen. Ich habe dort eine Freundin gefunden, mit der ich auch noch heute Kontakt habe und mich immer wieder freue, sie zu sehen. Wir haben viele lustige Momente zusammen erlebt und konnten von Anfang an sehr offen miteinander sprechen. Sicherlich auch, weil wir ja beide vom anderen wussten, dass er auch Probleme hat. Welche das genau sind war eigentlich nie relevant, es ist einfach das nötige Verständnis da unter "Leidensgenossen".
Durch das abwechslungsreiche Tagesprogramm waren wir auch immer ziemlich beschäftigt, was mir persönlich sehr half, wieder eine Tagesstruktur zu entwickeln. Es gab jedoch auch immer wieder Momente, wo ich mich total fehl am Platz gefühlt habe. Obschon ich von Menschen umgeben war, war ich oft sehr einsam und in mich gekehrt. Habe viel über mich nachgedacht. Es gab 2 Situationen im Tagesablauf, die sehr schwierig waren für mich:
Das erste Problem fing schon am Morgen früh an. Denn zur Begrüssung haben wir uns immer alle (auch die Betreuer) in einem Raum getroffen. Wir sassen im Kreis und jeder erzählte kurz wie es im geht. Oder wie er den gestrigen Tag fand. Oder man sagte gar nichts. Es war einfach eine Möglichkeit, sich mitzuteilen. Es waren eigentlich auch immer etwa die Gleichen, die dieses Bedürfnis hatten. Natürlich konnte ich von den Leuten dort nicht erwarten, dass sie mich anschauten beim reden, denn sie redeten ja nicht mit mir, sondern mit der Gruppe. Demzufolge habe ich auch nie etwas davon verstanden, denn ich konnte ja nur noch etwas verstehen, wenn ich zusätzlich von den Lippen ablesen konnte. Und auch das geht natürlich nur, wenn eine Person direkt und nah mir gegenüber sitzt. Das ganze Morgenritual dauerte jeweils eine gute halbe Stunde. Und mir kam es vor wie eine elend lange Ewigkeit. Ich musste manchmal auch aufpassen, dass ich nicht einschlief. Es war so furchtbar langweilig. Ich habe manchmal die Kleidung der anderen studiert, oder deren Frisuren. Habe mich gefragt, wieviel sie wohl wiegen oder wie es wohl bei ihnen zu Hause aussehen mag. Ob sie Familie haben, eventuell sogar Kinder...
Das gleiche Ritual fand dann auch Nachmittags statt, bevor wir nach Hause gehen konnten. Aber da ging es dann schon schneller, weil jeder gehen wollte und müde war. Glück gehabt!
Der zweite Moment, wo ich total überflüssig war, war die wöchentliche Sitzung. Da sassen wir zusammen und es ging um Vorschläge für Ausflüge, Verbesserungsvorschläge allgemein, Ämter verteilen, etc. Das konnte dann schon mal bis zu zwei Stunden dauern. Auch hier hatte ich keine Chance, dem Gruppengespräch zu folgen. Ich sass da, wartete bis es fertig ist und danach hat mich meine Freundin kurz über das Wichtigste aufgeklärt. Mich haben diese Situationen teilweise sehr wütend gemacht. Einfach so dazusitzen und keiner gibt sich die Mühe, dich ins Gespräch einzubringen. Ich habe dann auch mal mit meiner Betreuerin darüber gesprochen, ob ich in dieser Zeit nicht jeweils etwas anderes tun könnte. Von mir aus abwaschen, oder im Atelier arbeiten, Hauptsache etwas tun. Sie meinte dann, dass sie mir da keine "Extrawurst" geben könnte und das Programm für alle das Gleiche sei. Voilà, der Chef hatte gesprochen. Aber hatte ich denn etwas Anderes erwartet?!
Ich erzähle euch hier meine Geschichte. Vom Anfang bis zum Schluss. Bitte beachtet, dass die Daten lediglich die Veröffentlichungsdaten der Texte sind. Angefangen hat meine Geschichte vor über 10 Jahren. Wenn ihr also von Anfang an mitlesen wollt, dann beginnt im Blog-Archiv beim untersten Beitrag "Hier und Jetzt*. Viel Spass beim Lesen!
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Donnerstag, 26. Februar 2015
Dienstag, 17. Februar 2015
Tagesklinik (Teil 1)
Nach und nach wurde mir einfach alles zu viel. Das Arbeitslosenamt schickte mich zum Sozialamt und dort schickten sie mich wieder zurück. Die IV meldete sich ewig nicht und ich hatte das Gefühl, mir nicht mehr selber helfen zu können. Dazu kam, dass es mir gesundheitlich nicht gut ging, ich es aber nicht genau einordnen konnte. Ich fühlte mich krank, obschon ich kein Fieber hatte.
Meine Psychologin sorgte sich sehr und fand es die beste Lösung, wenn ich in eine psychiatrische Tagesklinik gehe. Sie meinte, es würde mir wieder einen Tagesablauf geben und zudem würde man mich dort unterstützen im Kampf gegen die Ämter. Dazu kam ja auch immer noch das psychologische Gutachten, welches die IV forderte und auch dies könnte man mir nach einem Aufenthalt in dieser Klinik geben. Also stimmte ich zu und konnte kurz darauf auch schon meinen ersten Tag dort beginnen.
Mein Umfeld hat extrem schlecht auf diese Situation reagiert. "Was willst du denn in der Klappsmühle?" "Dir fehlt doch überhaupt nichts, geh endlich wieder arbeiten, dann gehts dir besser". Einige Bekanntschaften haben sich da verabschiedet, weil sie es überhaupt nicht versehen konnten.
Aber es war schliesslich mein Weg und ich war wirklich froh unter Leute zu kommen. Die Betreuer schienen alle sehr sympathisch zu sein. Eine von ihnen hat sich sehr bemüht mir das ganze Haus zu zeigen und mir den Tagesablauf zu erklären. Sie hat sehr deutlich gesprochen und immer den Blickkontakt gesucht. Auch die anderen "Patienten" haben mich sofort sehr herzlich aufgenommen und es wurde untereinander immer geschaut, dass keiner alleine rumsitzt. Diejenigen, die schon länger da waren, haben sich sehr um die Neulinge gekümmert und mir alles erklärt.
Für diejenigen, die es nicht kennen: In einer Tagesklinik geht man morgens hin, bleibt dann den ganzen Tag dort und geht am späteren Nachmittag wieder nach Hause. Es ist so wie eine Tagesbeschäftigung. Jeder Tag war individuell gestaltet. Wir gingen walken, machten Ausflüge, hatten Turnunterricht, bastelten im Atelier; wir kochten jedoch auch, kauften ein und putzten das Haus. Es war wirklich immer etwas los, ohne das man aber dabei überfordert wurde. Innerhalb ziemlich kurzer Zeit waren wir eine kleine Familie. Wir redeten extrem viel; nicht nur mit Psychologen. Die besten Gespräche führten wir unter uns "Patienten". Die einzige Person, die total unsympathisch war, war meine Betreuerin. Das war nicht von Anfang an so. Das hat sich ergeben. Sie kriegte es als Einzige nicht hin, deutlich genug zu sprechen. Zudem gab sie mir ziemlich rasch das Gefühl, nicht am richtigen Ort zu sein. Das störte mich sehr, weil mir der Ort gut tat. Ich fragte nach, ob es nicht möglich sei, die Bezugsperson zu wechseln. Nicht möglich. Das war sehr schade, denn ich konnte mich dieser Frau so überhaupt nicht öffnen. Und dadurch war sie unzufrieden und nahm mich nicht ganz ernst. Ich musste sie jedes Mal darauf hinweisen, dass ich nicht wegen einer psychischen Krankheit da war, sondern wegen dem Resultat einer körperlichen Krankheit. Aber sie versuchten natürlich mit allen Mitteln und Wegen meine Symptome auf die Psyche zu lenken. Und so erhielt ich mein erstes Psychopharmaka-Medikament. Es sollte angstlösend wirken und Stimmungsschwankungen ausgleichen.
Und irgendwie hatte ich noch ein Fünkchen Hoffnung, dass sie einfach Recht hatten. Und alles ist nur psychisch. Und dann würde ich diese Tabletten schlucken und alles würde wieder gut werden.
Meine Psychologin sorgte sich sehr und fand es die beste Lösung, wenn ich in eine psychiatrische Tagesklinik gehe. Sie meinte, es würde mir wieder einen Tagesablauf geben und zudem würde man mich dort unterstützen im Kampf gegen die Ämter. Dazu kam ja auch immer noch das psychologische Gutachten, welches die IV forderte und auch dies könnte man mir nach einem Aufenthalt in dieser Klinik geben. Also stimmte ich zu und konnte kurz darauf auch schon meinen ersten Tag dort beginnen.
Mein Umfeld hat extrem schlecht auf diese Situation reagiert. "Was willst du denn in der Klappsmühle?" "Dir fehlt doch überhaupt nichts, geh endlich wieder arbeiten, dann gehts dir besser". Einige Bekanntschaften haben sich da verabschiedet, weil sie es überhaupt nicht versehen konnten.
Aber es war schliesslich mein Weg und ich war wirklich froh unter Leute zu kommen. Die Betreuer schienen alle sehr sympathisch zu sein. Eine von ihnen hat sich sehr bemüht mir das ganze Haus zu zeigen und mir den Tagesablauf zu erklären. Sie hat sehr deutlich gesprochen und immer den Blickkontakt gesucht. Auch die anderen "Patienten" haben mich sofort sehr herzlich aufgenommen und es wurde untereinander immer geschaut, dass keiner alleine rumsitzt. Diejenigen, die schon länger da waren, haben sich sehr um die Neulinge gekümmert und mir alles erklärt.
Für diejenigen, die es nicht kennen: In einer Tagesklinik geht man morgens hin, bleibt dann den ganzen Tag dort und geht am späteren Nachmittag wieder nach Hause. Es ist so wie eine Tagesbeschäftigung. Jeder Tag war individuell gestaltet. Wir gingen walken, machten Ausflüge, hatten Turnunterricht, bastelten im Atelier; wir kochten jedoch auch, kauften ein und putzten das Haus. Es war wirklich immer etwas los, ohne das man aber dabei überfordert wurde. Innerhalb ziemlich kurzer Zeit waren wir eine kleine Familie. Wir redeten extrem viel; nicht nur mit Psychologen. Die besten Gespräche führten wir unter uns "Patienten". Die einzige Person, die total unsympathisch war, war meine Betreuerin. Das war nicht von Anfang an so. Das hat sich ergeben. Sie kriegte es als Einzige nicht hin, deutlich genug zu sprechen. Zudem gab sie mir ziemlich rasch das Gefühl, nicht am richtigen Ort zu sein. Das störte mich sehr, weil mir der Ort gut tat. Ich fragte nach, ob es nicht möglich sei, die Bezugsperson zu wechseln. Nicht möglich. Das war sehr schade, denn ich konnte mich dieser Frau so überhaupt nicht öffnen. Und dadurch war sie unzufrieden und nahm mich nicht ganz ernst. Ich musste sie jedes Mal darauf hinweisen, dass ich nicht wegen einer psychischen Krankheit da war, sondern wegen dem Resultat einer körperlichen Krankheit. Aber sie versuchten natürlich mit allen Mitteln und Wegen meine Symptome auf die Psyche zu lenken. Und so erhielt ich mein erstes Psychopharmaka-Medikament. Es sollte angstlösend wirken und Stimmungsschwankungen ausgleichen.
Und irgendwie hatte ich noch ein Fünkchen Hoffnung, dass sie einfach Recht hatten. Und alles ist nur psychisch. Und dann würde ich diese Tabletten schlucken und alles würde wieder gut werden.
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